Wie läuft eine Familienaufstellung ab?

FamilienstellenWenn Sie sich entschieden haben ein Thema aufzustellen, schildern Sie der Aufstellungsleiterin sowie der Gruppe kurz Ihr Anliegen. Oft ist es nicht wichtig, sehr in die Tiefe zu gehen – das Thema kommt von alleine an die Oberfläche. Gemeinsam erarbeiten wir die Personen und Aspekte heraus, die für Ihr Thema wichtig erscheinen. Danach suchen Sie unter den Seminarteilnehmern Stellvertreter für Ihre Familienmitglieder und andere wichtige Personen oder Aspekte aus, die sie dann ohne großes Nachdenken im Raum aufstellen.

Dieses erste Bild zeigt schon sehr viel über die Beziehungen der einzelnen Familienmitglieder zueinander. Stehen die einzelnen Personen eng, vielleicht sogar zu eng beieinander? Schauen alle in verschiedene Richtungen, sind also total voneinander abgewandt? Schauen alle auf einen einzigen Punkt oder auf den Boden? Wer steht bei wem? Nun wird ein Phänomen deutlich, das bei Aufstellungen immer wieder verblüfft und tief beeindruckt: Sobald die Stellvertreter in ihren Rollen stehen, wird jeder Einzelne ein Teil dieses Systems. Die Stellvertreter „übernehmen“ die Gefühle der Personen, die sie vertreten. Es wird deutlich, dass es hier Verbindungen gibt, die wir derzeit nur zum Teil erklären können. Es gibt in der Physik den Begriff des „Morphogenetischen Feldes“. Über dieses Phänomen haben sich schon viele Wissenschaftler den Kopf zerbrochen. Verschiedene Erklärungsmodelle wurden dazu entwickelt, aber letztendlich lässt sich die Existenz dieses Feldes nur an der Wirkung erkennen. Im Rahmen der Aufstellungen zeigt sich die Wirkung indem die Stellvertreter Dinge wahrnehmen können, die oft eindeutig mit der Person zu tun haben, die sie vertreten. Dies geschieht obwohl sie diese Personen in der Regel gar nicht kennen und auch nichts über sie wissen. Das ist keine besondere Gabe von wenigen, sondern jeder kann das! Wir Aufsteller sprechen vom „Wissenden Feld“. Es scheint als seien wir auf Ebenen, die wir noch nicht genau kennen, alle miteinander verbunden. Jedenfalls zeigt es sich bei Aufstellungen immer wieder, dass die Stellvertreter/innen in ihren Rollen genauso fühlen wie die Personen, für die sie/er stehen. Das drückt sich oftmals auch in Worten aus, die manchmal genauso gewählt werden, wie die dargestellte Person spricht. (Das ist natürlich bei Redewendungen die sehr gebräuchlich sind, nichts Besonderes, ist jedoch oft so spezifisch, dass wir nicht mehr von Zufall sprechen können).

Welche Gefühle können das sein?

Einfache Gefühle oder Wahrnehmungen wie eine Schwere der rechten Schulter, ein nicht Geradestehen können, ein Kribbeln im linken Bein, kalte Hände, nicht nach oben schauen können, ein Gefühl der Müdigkeit etc.

Es können aber auch komplexere Impulse wahrgenommen werden: z.B. eine Last im Nacken, die nach unten drückt, den Drang sich hinzulegen, sich von X abgestoßen fühlen, eine starke Liebe zu Y empfinden, sich schuldig fühlen, sich angeklagt, traurig, glücklich, ängstlich, befreit etc. fühlen.

Werden diese Gefühle in Worte gefasst, lösen sie oft Neues beim Gegenüber aus, wodurch eine Familienaufstellung oft eine Eigendynamik mit der Tendenz zur Lösung bekommt.

Der Klient entscheidet

Im Laufe der Arbeit kann der Klient entscheiden, ob er selbst in seine Aufstellung kommen möchte. Dies ist in der Regel der Fall. So kann er die Lösung nicht nur sehen sondern auch selbst erfühlen, die letzten erforderlichen Schritte gehen, wichtige Sätze selbst aussprechen und so das Abschlussbild viel besser integrieren. Das Abschlussbild und die damit verbundenen Gefühle sind das Wichtige, sie gilt es tief und fest ins Herz zu nehmen.Zum Schluss werden alle Stellvertreter aus ihren Rollen entlassen und der Klient bedankt sich bei ihnen für die Unterstützung.